Prinzessin – oder doch lieber mal ein Prinz sein?

Theater-Projekt für Mädchen und junge Frauen beschäftigt sich mit Identitäten / Februar-Juni 2013

Neue Vahr Südost. “Das hat mir mal eine Freundin empfohlen”, sagt Ruth Große-Wilde und hält das Buch “Prinzessinnen” von Illustratorin Rébecca Dautremer und Autor Philippe Lechermeier hoch. Das Buch ist voller entzückender Illustrationen und humorvoller Texte über Königstöchter. Inspiriert von diesem Buch wollen Nuray Serin und Ruth Große-Wilde ein Theater-Projekt im Bürgerzentrum Neue Vahr initiieren. Die eigene Identität zu erkunden steht dabei im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen sollen sich an verschiedenen Rollen ausprobieren und gemeinsam ein Stück entwickeln und spielerisch Erfahrungen sammeln. (von Solveig Rixmann 31.01.2013)

Das “Prinzessinnen”-Buch soll nicht inszeniert werden, es ist nur ein Ausgangspunkt. “Von da aus möchten wir einfach nur starten”, sagt Ruth Große-Wilde. Es geht in dem zu entwickelnden Theaterstück nicht um Märchenfiguren, sondern um Identität. Wer bist du? Welche Besonderheiten machen dich aus? Wie würdest du gerne sein? Verschiedene Identitätsmodelle und die eigene Kreativität zu erforschen sind das Ziel.

Spielerisch soll an das Vorhaben herangegangen werden. Beginnen wollen Nuray Serin und Ruth Große-Wilde, die beide Erfahrung mit Theaterprojekten haben, mit ein paar Basics aus der Theaterarbeit. Inhaltlich und strukturell sollen die Teilnehmerinnen an der Entstehung des Theaterstücks mitwirken. Die Mädchen sollen eigene Ideen, Szenen, Dialoge und Tanzsequenzen entwickeln und zu einer gemeinsamen Performance zusammenführen.

Das Prinzessinnen-Theater-Projekt richtet sich ausschließlich an Mädchen und junge Frauen, im Alter zwischen 15 und 26 Jahren. “Da können die Jüngeren von den Älteren noch etwas abgucken”, sagt Ruth Große-Wilde. Bei dem Theater-Projekt haben die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, mit verschiedenen Identitäten zu spielen. “Die Mädchen sollen eine Plattform haben sich auszuprobieren”, meint Ruth Große-Wilde. Dabei könne aber zum Beispiel auch herauskommen, dass ein Mädchen gerne einmal einen Prinzen spielen möchte. Die Teilnehmerinnen sollen die Möglichkeit haben zu experimentieren. Vorlieben, Wünsche, Träume und Interessen zu erkunden.

Das Prinzessinnen-Projekt wird noch einmal spannender, weil Nuray Serin und Ruth Große-Wilde die Möglichkeit bieten, es zweisprachig zu gestalten. Sie können sich gut vorstellen, dass in einer Szene eine Figur auf Türkisch fragt und eine andere auf Deutsch antwortet. Alle Nationalitäten sind daher bei diesem Prinzessinnen-Projekt willkommen. Am kommenden Donnerstag, 7. Februar, wird ein Auswahltreffen für das Projekt angeboten. Texte müssen dafür aber nicht auswendig gelernt werden. Nuray Serin und Ruth Große-Wilde geht es darum, dass die Teilnehmerinnen zusammenpassen. Die Teilnahme an dem Projekt ist kostenlos. Geprobt wird immer donnerstags zwischen 17.30 und 19.30 Uhr. “Es gibt noch zwei Probenwochenenden”, kündigt Ruth Große-Wilde an. An einem der Wochenenden arbeiten die Teilnehmerinnen einen Tag mit Sonja Höstermann, Dozentin für kreatives Schreiben. Auch die von den Teilnehmerinnen selbst geschriebenen Szenen werden in das Theaterstück eingefügt. Außerdem wird die freischaffende Künstlerin im bildenden Bereich, Lilly Läthe, einen Vormittag mit den Mädchen arbeiten. Einmal im Monat spendet sie Zeit und Engagement. “Da haben wir vor, Porträts zu zeichnen”, erklärt Ruth Große-Wilde. Vielleicht sollen es auch verfremdete Porträts werden.

Die Kostüme können die Teilnehmerinnen selbermachen oder zusammenstellen. Einige Teile werden sicherlich auch geliehen. Das Bühnenbild zum Theaterstück soll sehr reduziert bleiben. Am Freitag, 7. Juni, und Sonnabend, 8. Juni, soll das Ergebnis des Theater-Projekts im Bürgerzentrum Neue Vahr aufgeführt werden.

[erschienen im Weser Kurier 31.01.2013 Prinzessin – oder doch lieber mal ein Prinz sein?]