Erstes Literaturbuffet im Schnoor – Eine Nachlese

Neuer Ort, neues Glück!
Das Team vom Depot44 im Schnoor hat uns zudem sehr aufmerksam umsorgt. Die Getränke waren vor Ort und – anders als im Garten – gab es sogar ein richtiges Klo ☺. Es kommt darauf an, was wir aus diesem neuen Ort machen. Und das war an diesem Tag ganz besonders großartig!

DAS LITERATURBUFFET vom Samstag 06. Juni 2015
im Kulturgewölbe “Depot 44″ (Adresse: Marterburg 44, 28195 Bremen)

Vergnüglich und lecker
Das Buffet bestückten insgesamt 24 Gäste mit leckeren Dingen und füllten das Gewölbe mit ihrer guten Laune. Einige kannten sich, einige noch nicht, doch das gemeinsame Interesse – das Schreiben – führte zusammen. Dafür war immer wieder in den Pausen Gelegenheit, die wir vor und während der Lesung gemacht haben.

Kurzweiliger kultureller Hörgenuss – Die Geschichten
Zum kulturellen Hörgenuss sind neun Texte gebracht worden.

Den mutigen Anfang machte Beatrice Hecht, die aus ihren autobiografischen Notizen las. Sie war hineingeboren worden in eine Ein-Raum-Wohnung in der Fremde der fränkischen Schweiz, in eine Flüchtlingsfamilie hinein, deren Konfliktlinien mit einer katholischen Mutter und einem atheistischen Vater vorgezeichnet schienen. Außerdem hat Beatrice uns neugierig gemacht mit einem Vorgeschmack auf einen autobiografischen Roman, der von einer jungen Frau handelt, die ihren Hunger auf die Welt stillen muss und ungeachtet der Kriegsgefahren Ende der sechziger Jahre die Koffer packt, um nach Vietnam zu reisen.

Von einem sehr “Bösen Buben” handelt der Text von Bettina Waltemade. Mit humorig vorgetragenem Kontrast zwischen Blümchentapete und den Morden an Katzen wegen einer Fünf in Mathe – schließlich liegt sogar die eigene Großmutter tot im Bad – wird uns Benny mit seinem Serienmörderprofil in köstlich gruseliger Erinnerung bleiben.

Zur “Wehr”-Wölfin verwandelt sich Nacht für Nacht eine Frau, die aus der Feder von Mechthild Fröhlich stammt. Aus Verzweiflung und Wut darüber, dass die Nachbarin von obendrüber jede Nacht trampelt und lärmt, gewinnt die Wölfin immer mehr Kraft und Entschlossenheit, bis schließlich das Unvermeidliche geschieht – mit blutigen Folgen.

Am Morgen vor der Abreise mit dem Schiff in die Karibik ist Lilly hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht danach, bei ihrer todkranken Mutter zuhause bleiben zu wollen, und der Lust, sich dem Beginn des Abenteuers hinzugeben. Ein Konflikt, der die Jugendliche zwar zu zerreißen droht, aber dennoch hineinsaugt in den Jugendroman “Blue Stars”, an dem Bijou Beberniss derzeit arbeitet.

Jürgen Bosse las spontan aus seiner Schreibkladde einen Text, den er anlässlich der Hundertwasser-Sonderausstellung in der Kunsthalle Bremen geschrieben hat. Die roten Linien werden Lebenslinien und bleiben ununterbrochen und unendlich.

Das erste Mal hätte schöner sein sollen. Die seelische Bedrängnis, in die sich eine junge Frau gebracht hat, weil sie nicht NEIN zu dem Vater ihres Freundes gesagt hat (nicht hatte sagen können), ging uns Zuhörenden in dem Text von Pouneh Rassuli unter die Haut.

Auf Plattdeutsch trug Helga Viets ihren Text vor, der von einer Frau aus der Provinz namens “Madda” handelt, die in einem Frauentagungshaus putzt. Dort wird sie heimlich Zeugin eines orgiastischen Tantra-Workshops, der sie auf vielen Ebenen stärker beschäftigt, als ihr lieb ist.

Lächerlich aufgeblasene Gummilippen hat die Konkurrentin der Ich-Figur in dem Text “Beeren-Torten-Mist” von Monika Bartels. Eine auf den schmutzigen Küchenboden und auf die verfusselten Socken versehentlich geklatschte Eierlikörtorte wird wiederverwendet und dem verhassten Ex und dessen Neuer serviert als leckerer Furchtquark. Rache kann so süß sein!
(Erschienen ist die Geschichte in: Emma Sommer. Das Zen des Radieschens)

In einem echten gravitationsüberwindenden Ufo lässt Andreas Gröhl in seinem Text einen Tatortreiniger fliegen. Er war zuvor mit dem Konstrukteur des schwebenden Objekts ins Gespräch gekommen, weil er die Garagenwand säubern musste, an der dessen Ehefrau von dem Ufo zerquetscht worden war. Beton-Estrich ist übrigens besonders schwer von Blut und Eingeweiden zu befreien. ☺
(Adreas Gröhl, „Fukushimnobyl: Katastrophe programmiert“ . Die vorgenannte Geschichte mit dem Ufo hat mit diesem Thriller übrigens nichts zu tun, im Gegenteil – der Hintergrund ist erschreckend realistisch.)

Zum furiosen Schluss des Tages hat das gesamte Publikum mir sogar noch ein Geburtstagsständchen gebracht. Ein ganz großes Dankeschön an alle, die da waren, für dieses erste Literaturbuffet!